Das vierte Argumente (a) (sonstige Themen)
Argument 4 der Skeptiker
"...Schrift ... [die] zurückdatiert und durch Gegenwartsaussagen ergänzt." (Taurec)
Die Hepidanus-Schrift enthalte also "nur Sachen" aus der Zeit um 1866, sei also nur Gegenwartsbeschreibung und von einem "Fälscher" um 1866 auf die Zeit ca. 1080 zurückdatiert worden. Zu der "Gegenwartsbeschreibung" seien nach Bouvier noch "ein paar dünne Endzeitschwadronaden" beigefügt. Wie ich bereits dargestellt habe, besteht der Text bis zu 50% aus "Prophezeiungen". Nach genauem Studium dieser "Prophezeiungen" stellt sich heraus, dass sich der größte Teil davon auf die Endzeit bezieht, und nicht nur "ein paar Endzeitschwadronaden". Die Textpassagen, die Taurec und Bouvier als Beleg für ihre Behauptungen angeben, wurden zum größten Teil aus dem Zusammenhang gerissen. Auch wurden entscheidende Begriffe im Text einfach ignoriert, die ihre Behauptungen dahingehend eindeutig widerlegen:
Beispiel (a) der Skeptiker:
"Beispielsweise: 'Es wird unter den Stämmen Germaniens ein Volk auferstehen und ein Haupt werden über alle seine Brüder.' = Preußen, hat 1866 den deutschen Bruderkrieg gewonnen" (taurec)
Preußen wurde das "Haupt" über die einst zahlreichen deutschen Kleinstaaten. Doch dieses Beispiel bietet noch lange keinen Grund, um "Hepidanus" als Fälschung nachzuweisen. Es ist auch kein Indiz für die Fälschungs-These!
Beispiel (b)der Skeptiker:
"Oder: 'Dann wird ein Mann auferstehen mitten aus dem Strudel der Parteiungen.' = Bismarck, seit 1862 preußischer Ministerpräsident. Da fügt sich der Rest eigentlich natlos ein." (Taurec)
Zunächst muss erwähnt werden, dass der zitierte Satz aus dem Zusammenhang gerissen ist. Und der gesamte Text deutet auch nicht annähernd auf Bismarck, da die historischen Fakten über Bismarck eine ganz andere Geschichte schreiben. Auch der aus dem Zusammenhang gerissene Satz passt eindeutig nicht auf Bismarck, da Bismarck nicht "aus dem Strudel" irgendwelcher Parteiungen hervorgegangen ist. Dazu schreibt auch Detlef richtig: "[Reichskanzler Bismarck]kommt auch nicht aus einem Parteienstrudel", sondern "aus einer kleinstaaten-flickendecke". Somit wäre Taurecs Beispiel contra Hepidanus aus dem Weg geräumt. In dem von Taurec zitoerten Hepidanus-Satz wird also nicht Bismarck beschrieben, sondern jemand anderes, der in deutschland tatsächlich aus einem Strudel der Parteiungen hervorgehen sollte. Hier wird keine Gegenwartsbeschreibung von ca. 1866 beschrieben! Stephan schrieb dann zu Taurecs Behauptung:
"... sehen wir uns den betreffenden Abschnitt genauer an:
'Dann wird ein mann auferstehen mitten aus dem Strudel der Parteiungen. Er wird, ohne dem Unrecht Stützpunkt zu sein, doch mit dem Recht Recht sprechen wider das Recht, und vom Aufgange zum Niedergange wird sein name in aller Munde sein. Verdammt und gehasst von den einen, wird er bewundert von den anderen werden. Zwar wird unsägliches Elend an seine Schritte geknüpft sein und sein Name leben in der Geschichte inmitten von Leichenhügeln und Tod."
Also: Der Text beschreibt einen Mann in Deutschland, der "aus dem Strudel der Parteiungen" hervorgeht, der weltweit bekannt, berühmt und im Gespräch ist und auch Anhänger und Widersacher hat. Er würde Tod und Leichenhügel, "unsägliches Elend" produzieren. Und in diesem Zusammenhang würde sein name "in der Geschichte" fortleben. Berndt schreibt dazu:
"Passenderweise habe ich vorgestern eine Doku über v#Bismarck auf phoenix ... gesehen. Die Macher dieser Doku haben sich alle Mühe gegeben, diesen Helden der deutschen Geschichte vom Sockel zu stoßen. Morphiumsüchtig, 1000 Krankheiten, Hundeliebhaber (wie Hitler), gewissenloser Taktiker, geistiger Vorbereiter des Faschismus etc. etc. Aber von Leichenhügeln ... haben sie nix gesagt ..."
Sinhala:
"Also für mich war schon das erste Mal als ich dies las, klar, dass damit Hitler gemeint ist, denn er war es der aus den politischen Wirren vor 1933 als Sieger hervorging, da die vielen politischen Lager vor allem unter einander so dermaßen zerstritten waren, dass sie entweder gar nichts erreichen konnten oder nur sehr spärlich gesehen. Mit Recht ohne Unrecht zu tun ist meiner Ansicht nach ein direkter Bezug auf die Legitimierung von moralisch verwerflichen Gesetzen Hitlers nach seiner Machtergreifung ... denn, ein verabschiedetes Gesetz bedeutet noch lange nicht, dass es rechtens ist ... und "Leichenhügel" dürften die Hügel von Toten meinen, die man bei Kriegsende in den KZ's fand. Übrigens Bismarck mit Leichenhügeln gleichzusetzen ist für mich ein Graus, so viel Respekt vor dieser großartigen historischen Person solltet ihr noch haben."
Berndt:
"1866 + Leichenhügel = Bismarck? ...
also: Wo sinsd bei Bismarck die Leichenberge (pardon "Hügel"
um 1866 ? Keep it real man! ... Wo sind die Leichenberge bei Bismarck um 18666 - UND - man setze diese dann auch in Relation zu Napoleon?"
Detlef:
"[Reichskanzler Bismarck] kommt auch nicht aus einem parteienstrudel, sondern eher aus einer kleinstaatenflickendecke - und mit Leichenhügeln waren die damals noch recht sparsam ... bleibt ... uns Addi! ... besonders dieser Satz passt zu ihm: doch mit dem Rechte Recht sprechen wider das Recht. Es gab damals so viel verschiedene, sich gegenseitig ausschließende Auffassungen von "Recht", da passt dieser Satz einfach. dies war rein ausgehend vom text, wie er uns hier vorliegt."
FranzLiszt:
Zum Thema: Für Hitler spricht:
-Strudel der Parteiungen (bilderbuchmäßig Weimarer Republik)
-Recht... (Schauprozesse u.a.)
-Leichenberge (gibt's Fotos wie von keiner anderen Zeit(!)
Daher nicht Bismarck! Da gabs schon im Prinzip dieselbe(!)Rechtssprechung mit ihren Justizpalästen als neue(!) Zeichen der Macht, aber ohne diese Auswüchse. Parteienstrudel war verpönt und Leichenberge nicht bekannt, obwohl es dieselbe(!) Fototechnik schon gab."
Fazit: Der von Taurec aus dem Zusammenhang gerissene Satz sowie der gesamte von Berndt zitierte Text überhaupt beschreiben nicht Umstände in Deutschland um 1866, sondern Geschehnisse, die sich zwischen 1918 und 1945 zutrugen!
Gruß,
Stefan
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