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Rechte Gewalt bei Demonstrationen ? (sonstige Themen)

verfasst von Johannes(R) E-Mail, 06.05.2008, 12:46

» » in der Vergangenheit war es bei Demonstrationen so, daß die Gewalt
» » generell von Linken ausging, nicht von Rechten.
»
» Wer definiert Rechts oder Links? Insbesondere wenn es eigentlich junge
» Menschen sind, die ihre überschüssigen Kräfte in Gewalt umleiten?





Hallo Peter,

das sehe ich genauso, ich habe aber die üblichen Bezeichnungen übernommen, denn sie beschreiben die "Funktion" der Gruppen recht gut. Für die weiteren Gedanken muß ich ein wenig ausholen.

Was ich mit "Funktion" meine: Rechte Gruppen läßt man einerseits gewähren, baut aber gleichzeitig ein großes Schmuddelimage um sie auf. Was dazu führt, daß auch an sich anständige Gruppen nur zweit- oder gar drittklassige Leiter finden und somit nahezu zwangsweise vom Sog des Krawallimages erfaßt werden.

Beispiel: Nimm ein in den letzten Jahren Jahren eigentlich diskutierfähiges Ziel wie "Abschaffung der DM" oder "EU-Osterweiterung". In den etablierten Parteien wurden Bedenken gleich wieder abgebügelt, und Volksabstimmungen wurden schon deshalb verworfen, weil wir ja Parteien hätten, die die Bedenken aufgreifen könnten (zum rechtlichen Argument: Wir haben zwar keine verpflichtende direkte Demokratie, aber die Politik hätte sich jederzeit selbst verpflichten können, zu einem bestimmten Punkt auf die Volksmeinung zu hören).

Nur greifen die etablierten Parteien die Bedenken nur theoretisch auf. Wenn man Glück hat, dann wird der Plan vielleicht etwas abgemildert, aber keinesfalls verworfen. Wer eine grundsätzlich andere Politik wollte, der hatte zum Beispiel beim Thema DM nur die Möglichkeit zwischen der "Pro DM-Partei" und rechtsradikalen Gruppen. Die erste zum Scheitern verurteilt, da sie kaum ein gesamtpolitisches Konzept hatte, und die zweite nun eben auch keine ernsthafte Alternative, da sich dort falsche Leute und Ideen tummeln.

Aber eben damit, daß bestimmte Ideen Ideen zu den Außenseitern abgeschoben werden und diese zusätzlich mit dem Schmutzkübel übergossen werden, erreicht man zum einen, daß sich dort immer mehr "Schmutz" sammelt und so die unliebsamen Ideen geschickt aus der Diskussion ausgegrenzt werden. Das ist die Situation, die wir bisher hatten. Wobei die organisierten Schmuddelkinder von rechts (ich meine die in den Parteien/Gruppen organisierten - nicht die allgemeinen Krawallos, die man vorwiegend aus dem Osten kennt) bisher zwar ein sehr schlechtes Image hatten, aber rein praktisch nicht gefährlich waren. Martialisches Auftreten bei Demos, aber sie richteten sich immer nach den Anweisungen der Polizei, es war quasi eine eingespielte Situation - und die hat sich für meine Begriffe mit dem jetzigen ersten Mai verändert.

Okay, weltpolitisch kein wirkliches Problem, deshalb will ich es auch nicht zu sehr vertiefen. Aber auf Deutschland betrachtet befürchte ich doch, daß dies ein Dammbruch sein könnte, der zu mehr organisierter Gewalt bei Demos führen wird (und sei es nur, um die jeweils eigenen Leute vor den anderen zu schützen).

» Man sollte lieber fragen über was berichten die Medien? Und da stimmt
» etwas nicht. Im Augenblick kann ich nur noch die ARTE-Nachrichten
» empfehlen.

Völlige Zustimmung. Zu ARTE kann ich allerdings nichts sagen, da ich keinen Fernseher habe.

» Ausser das noch weniger daran teilnehmen, hat sich nicht viel geändert.
» Dis paar Schläger sind dieses Jahr sogar überschaubar, in Vergleich zu
» frührer.

Es waren dieses Mal andere Schläger. Früher waren es in Berlin und Hamburg die linken Gruppen, die massive Randale verübten. Nach außen "spontan" organisiert (und so auch gern von den Medien dargestellt), aber im Hintergrund sehr gut vernetzt. Straff organisierte rechte Gruppen, von denen Gewalt ausgeht, waren mir bisher unbekannt (die Krawallos im Osten nehme ich davon aus, da ich sie weniger für politisch halte, sondern für eine Mischung aus Assozialen und Frust).

» Da sammelt sich immer mehr das kommende Gewaltpotential. Zur Zeit saufen
» sie noch und diskutieren, aber das wird sich bald ändern.
» Aus der Ecke kommen die wirklichen Probleme. Und wer hier Links oder
» Rechts schreit hat nix kapiert. Hier sind Menschen ohne jegliche Zukunft,
» darum geht es.

Das sehe ich als zusätzliches Problem. Denn die größer werdende Gruppe von Menschen, die keine Perspektive mehr sehen, ist doch das ideale Reservoir für straff organisierte Gruppen, die Halt und einen Sinn im Leben zu bieten scheinen. Also leichtes Spiel für die Rattenfänger von rechts und links (oder wie immer die sie bezeichnen willst).

Viele Grüße

Johannes

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